istván Velsz

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Die Bekaa-​Ebene zieht sich von Norden nach Süden durch den Libanon. Im Westen grenzt sie an das Libanon-​Gebirge, im Osten an den Anti-​Libanon. Zwei Flüsse speisen den, von Landwirtschaft geprägten, südlichen Teil der Hochebene. Eigentlich ein grünes, schönes Fleckchen Erde.

Doch wer jetzt durch die Bekaa-​Ebene fährt, sieht überall Zelte mit Werbebotschaften. Hier eine Handy-​Werbung, dort eine Whiskey-​Werbung. Dass es sich um Flüchtlingszelte handelt ist jedem klar, der in diese Gegend fährt, aber die Botschaften verwundern und verstärken die Absurdität der Situation vor Ort. Doch es hat rein pragmatische Gründe, warum sich gläubige Muslime in Alkoholwerbung „hüllen“. Es ist das Bedürfnis nach einem Dach über dem Kopf.

Der Libanon hat ca. ein Viertel seiner eigenen Bevölkerung an Flüchtlingen aufgenommen – mehr als eine Million. Die Flüchtlinge leben dort wo sie Platz finden oder ihnen jemand ein Platz für ein Zelt vermietet. Feste Behausungen zu bauen ist nicht erlaubt und auch meist gar nicht möglich. Die Zeltansammlungen ragen oft bis in die Ortschaften hinein.

Ein Zelt misst zwischen 30 und 40 Quadratmeter. Meist wird eine Art Estrichboden gegossen, auf dem eine einfache Holzkonstruktion aufgebaut wird. Wer sich keinen Estrich leisten kann, stellt die Konstruktion auf den Erdboden. Bei Regen ist dieser nass und matschig. Über die Holzkonstruktion wird eine Plane gestülpt. Dafür besonders geeignet sind die Werbeplanen übergroßer Werbe-​Billboards, .die witterungsbeständig und windfest sind. Normalerweise werden die Planen nach Gebrauch weggeworfen, jetzt werden sie an die Flüchtlinge weiterverkauft. Für ein Standardzelt kostet die Plane ca. 300 Dollar. Die UNHCR würde auch Planen verteilen, diese sind aber dünner, nicht so reißfest und nicht immer dicht. In der Summe kostet ein Zelt ca. 1000 Euro. Dazu kommt die jährliche Miete für den Platz – Geld das viele Flüchtlinge nicht haben und das sie dann auf den Feldern erarbeiten müssen, obwohl sie keine Arbeitserlaubnis besitzen.